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Mekongdelta von der Stange
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Frauensache: Transport am Mekong

Nachdem wir uns bisher durch die Länder treiben lassen konnten, erfahren wir in Vietnam das erste Mal, wie es sich anfühlt, unter Zeitdruck zu reisen. Da wir in knapp drei Wochen durch dieses große Land gereist sein müssen, um einen alten Freund in Hanoi zu besuchen, entscheiden wir uns, das Mekong Delta im Rahmen einer geführten Tour zu erleben. Erstmalig geben wir uns also in die Hände anderer und können somit nicht einfach mehr nur dem Flow folgen …

Wie immer läuft alles problemlos ab: Ein paar kurze Worte zu dem Wunsch, das Mekong Delta zu besuchen und schon verwandelt sich unsere Hotelwirtin in ein wandelndes Reisebüro. In kurzen Worten wird die passende Tour angepriesen und der passende Preis diskutiert. („One day, Two day, Three day, Luxury, go to Cambodia?” – “No, Yes, No, No, No, How much?” – “30 $, but you stay here, make good price, 25 $!” – “Oooh no, too much, what about 15$?” – “No, no, 20 $” – “ Let’s say 17, okay?” – “18” – “17!” – “okay” – “okay”)

Umfang und Preis legen wir noch fest. Danach liegt alles in den Händen des Veranstalters. Wir werden beinahe pünktlich morgens um 7:30 Uhr aus dem Hotel abgeholt, denn die Fahrt nach My Tho, ins Herz des Mekong Deltas dauert beinahe drei Stunden. Kein Problem, dann sind wir wenigstens vor allen anderen da. Denkste, denn um die Zeit wimmelt Saigon vor Minibussen, die als Zubringer zu den Tourveranstaltern fungieren.

Wir werden zu einem etwas größeren, deutlich mitgenommenen Bus transferiert. Bis auf den letzten Platz ausgebucht, ergattern wir immerhin Plätze in einer gemeinsamen Reihe, ohne auf einen der ausgeklappten Notsitze im Gang ausweichen zu müssen. Die weiteren drei Stunden verlaufen ereignislos, außer dass die vielen wunderschönen Motive entlang der Strecke mangels Möglichkeit zum Stoppen nur in unseren Erinnerungen gespeichert werden und wir sie leider nicht mit Dir teilen können.
Nach der Ankunft am Bootsanleger am Mekong genehmigt uns Ngog („Vietnamese language very haaad, call me Number One!“) eine fünfminütige Pipipause. Danach geht es direkt auf das Fährboot zur ersten Besichtigungsstation, einer Kokosnussbonbon Fabrik. Nach einer interessanten fünfminütigen Erläuterung der Produktionsschritte bekommen wir 25 Minuten Zeit, uns zu überlegen, ob wir etwas kaufen wollen. Wir investieren einen Euro in ausgesprochen leckere Bonbons, ignorieren den kobraveredelten Reiswein, beobachten die im Zehnminutentakt nachfolgenden Touristengruppen und warten, bis es weiter geht. Wir werden 50 Meter mit dem Boot weiter transferiert und erhalten die Gelegenheit die Insel im Mekong Delta mit dem Fahrrad zu erkunden. Es ist schön, sein eigenes Tempo fahren zu können und links und rechts des Weges Interessantes zu entdecken. Nach knapp zehn Minuten ist es offensichtlich schon Zeit zum Umkehren, denn der Rest der Gruppe soll vor dem Mittagessen auch noch Fahrrad fahren und pünktlich um zwölf Uhr wird dieses ausgeteilt. Trotz der bisherigen guten Erfahrungen mit der vietnamesischen Küche werden wir kulinarisch enttäuscht. Vielleicht hätten wir – natürlich gegen Aufpreis – a la Carte bestellen sollen?


Nach dreißig Minuten geht es weiter, schließlich wollen auch die erste Fruitfarm, die Honeyfarm und die traditionelle Musikvorführung noch besucht werden. Interessant ist dies allemal, wir hätten dies auf einer individuellen Tour durch das Mekong Delta sicherlich nicht gesehen.

Homestaymittelpunkt: Die Küche

Abends kommen wir nach zwei weiteren Stunden im Bus in Can Tho an und entscheiden uns spontan – für einen geringen Aufpreis – in einem Homestay zu übernachten und bereuen es nicht. Schon die Anreise ist abenteuerlich. In sternenklarer Nacht werden wir gemeinsam mit sechs anderen Mitreisenden von dem Gastgeber in seinem Boot zwanzig Minuten über Seitenarme des Mekongs zum Haus der Familie gefahren. Dort werden wir sehr herzlich von seiner Familie empfangen, die bereits das Essen vorbereitet hat. Es gibt wunderbar zarten und schmackhaften „Elephant Ear“ Fisch, den wir in netter Gesellschaft verspeisen. Dem Familienvater kommen die Gäste gerade recht, denn so kann er stolz seinen selbstgebrannten Reiswein präsentieren. Vielleicht hat er aber auch nur Gesellschaft für die Verkostung der gesamten Flasche benötigt. Wir wehren uns standhaft gegen den übermäßigen Konsum und werden bereits nach fünf Runden zur Nachtruhe entlassen.

Floatingmarket

Der nächste Morgen beginnt früh um sechs Uhr, denn wir werden einen Markt auf dem Land und einen Floating Market besuchen. Die beste Zeit dafür ist frühmorgens, wie wir bereits aus Malaysia und Thailand wissen und so stehen wir gerne und ohne Murren so früh auf. Wir kennen bereits die verführerischen Angebote der konventionellen Märkte an Land, der Floating Market ist jedoch auch uns neu. Wir erwarten die romantischen kleinen Verkaufsboote aus den Katalogen der Veranstalter. Umso überraschter sind wir, dass es sich eher um einen Großmarkt handelt. Auf großen Booten fahren Bauern der ganzen Region die halbe Nacht, um ihre Produkte anzubieten. Welche Produkte das genau sind, kann man den langen Holzstäben entnehmen, an denen weithin sichtbar ein Exemplar jeder Gattung hängt.

Leben am Mekong

Nach diesem Highlight werden noch eine Reisnudel Fabrik und eine weitere Fruchtfarm besichtigt. Wiederum interessant, jedoch vermissen wir die Möglichkeit, einen tieferen Einblick in die Region und das Leben der Bewohner zu erlangen. Erschöpft von dem Besichtigungsmarathon und froh, ab morgen wieder Herren über uns selbst zu sein, machen wir uns auf den anstrengenden, fünfstündigen Rückweg nach Ho Chi Minh City.


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