Weltrereise
Weltreise
LESEN > ASIEN > SINGAPUR > Formel 1 Grandprix in Singapur
Formel 1 Grandprix in Singapur
Weltreise-Berichte aus Asien - Weltreise-Berichte aus Singapur

Formel 1 Grandprix in Singapur

Ungeplant sind wir zum selben Zeitpunkt wie die Formel 1 in Singapur und geraten gleich am ersten Abend auf die noch offene Rennstrecke mitten in der Millionenstadt.

Nachdem wir in Singapur angekommen sind, fahren wir natürlich gleich mit der U-Bahn (MRT) Richtung Downtown, unwissentlich, was uns erwarten wird. Beeindruckt von den riesigen aber extrem sauberen U-Bahn-Stationen, haut es uns vollkommen vom Hocker, als wir das nächtliche Singapur betreten: es ist taghell! Unzählige Scheinwerfer tauchen die dunklen Straßen in strahlendes Licht. Hier ist also die Rennstrecke für den Formel 1 Nacht-Grandprix!

Hell erleuchtete Strecke

Wir schlüpfen an den bereits aufgebauten Absperrungen vorbei und stehen mitten auf der Rennpiste. Geschäftige Arbeiter bringen fleißig Sicherheitsbanden an, andere montieren noch fehlende Werbeplakate und wieder andere streichen die Streckenbegrenzung neu. Es soll ja schließlich alles im typischen Singapur-Stil ordentlich und sauber aussehen. Wir laufen begeistert die gesamten 5073 Meter der Strecke ab. Ein eigenartiges Gefühl: Mitten in der lebendigen Metropole stehen wir auf leeren, vierspurigen, öffentlichen Straßen. Und schon morgen werden die Stars der Motorsportszene in ihren Boliden über den Asphalt rasen. Da kommt auch schon einer: Michael Schumacher fährt auf einem Motorroller die Rennstrecke ab. Um ehrlich zu sein, wir hätten ihn wohl nicht erkannt, wenn nicht die motorsportbegeisterte Japanerin neben uns aufgeregt auf- und nieder gesprungen wäre mit den Rufen: „Mikkael, Mikkael!“, als das Moped an uns vorbeisaust. Er dreht sich kurz um, winkt und grinst uns fröhlich an. Und dann ist er auch schon wieder um die nächste Ecke verschwunden.

Auf der weiteren Runde laufen wir noch Fernando Alonso über den Weg, der mit seinem gesamten Team die Strecke per Pedes erkundet. Er ist allerdings nicht so fröhlich – vielleicht weil wir ihn nicht gleich erkennen und mehr oder weniger ignorieren.
Wir bestaunen die temporär aufgebrachten Teerhügel für die Schikane und eine Art Kehrmaschine, die die normalen Straßenlinien „wegradiert“. Nach dem Rennen werden die Hügel natürlich wieder entfernt und die Linien neu gemalt, wie uns der Bauleiter verrät, dies sei ja schließlich eine ganz normale Hauptverkehrsstraße. Was für ein Aufwand!

Teerhügel

Zwei Tage später machen wir uns erneut auf, Formel 1 – Luft zu schnuppern. Wer hätte das gedacht, aber sogar ohne wirklich Fans zu sein, werden wir durch den ganzen Zirkus angesteckt. Wir stehen eigentlich zwei Häuserblocks von der Rennstrecke entfernt, als lautes Motorengeräusch auf uns zukommt. Es ist so laut, als ob der Rennwagen in der nächsten Sekunde ums Eck kommt und an uns vorbei zischt. Jetzt haben sie uns! Wir wollen das Spektakel nun auch sehen.

Wir glauben nicht, dass unsere Reisekasse Formel 1 Tickets hergibt, aber wir wollen wenigstens wissen, wie teuer die Karten wirklich sind und schlagen uns durch die Menschenmenge zu einer Verkaufsstelle durch. Da es nur das Freitagstraining ist, kosten die billigsten Tickets 38 S$ (etwa 21 €) pro Person. Nach einiger Zeit in der einstündigen Warteschlange fällt uns auf, wir haben nur noch 40 S$ in der Tasche, also geben wir den Plan auf. Kaum treten wir aus der Reihe, steht ein Mann neben uns und fragt, ob wir Tickets kaufen wollen. Zögerlich bejahen wir und erwarten unverschämte Schwarzmarktpreise für die Karten. Um uns unnötige Verhandlungen zu ersparen, erklären wir wahrheitsgemäß, dass wir lediglich 40 S$ haben und machen uns wieder auf den Weg. Überraschend erklärt der Verkäufer, ihm würde das genügen. Da wir aber noch Geld für den Heimweg brauchen, gibt er sich sogar mit 30 S$ zufrieden. Wir halten nun zwei Formel 1 Tickets für je acht Euro in den Händen! Unglaublich!

Kaum sind wir durch den Einlassbereich durch, schlägt uns das Kreischen der Motoren in unerträglicher Lautstärke entgegen. Wir besorgen uns Ohrstöpsel, ohne die das Rennen nicht zu ertragen ist. Wir können uns gegenseitig anschreien, ohne etwas zu verstehen, die Motoren sind jedoch noch immer wahnsinnig laut.

Wir schieben uns durch die Menge von aufgetakelten Möchtegerns, klassischen Boxenludern und eingefleischten Fans in voller Montur. In einer 90 Grad-Kurve angekommen, sind wir wohl richtig. Sämtliche Fotografen bevölkern hier mit ihren überdimensionalen Objektiven die Betonmauer, die uns von der Rennstrecke trennt. Wir mischen uns unter sie und ergattern ein gutes Plätzchen.

Formel 1 Rennwagen in voller Aktion

Der erste Wagen kommt mit ohrenbetäubendem Krach auf uns zu geschossen. Wir spüren die unglaubliche Kraft der Motoren, so dass es uns sämtliche Armhaare aufstellt, der Puls zu rasen beginnt und wir uns mit großen, leuchtenden Augen ansehen, als der Wagen zwei Meter vor uns die Kurve kratzt. Unglaublich, diese Dynamik und Energie! Es ist unbeschreiblich, das musst Du einfach hautnah erleben! Wir haben in der Tat sehr gute Plätze erwischt; immer wieder sehen wir, wie manche Wagen um die Ecke sliden, nur wenige Zentimeter vor der Bande wieder voll durchstarten und der Dreher von Kobayashi zu Beginn der Trainingsrunde findet direkt vor unseren Augen statt. Angespannt durch die immense Energie der Motoren und dem einzigartigen Sound verfolgen wir die Rennwagen beim Drehen ihrer Runden, bis der alles erfüllende Geräuschpegel verstummt. Wow!

Durchgang zu Zone 1

Langsam, aber immer noch voller Adrenalin pilgern wir nach dem Training an der Strecke entlang. Als wir in Zone 1 wechseln wollen, weist uns ein freundlicher Kontrolleur darauf hin, wir seien mit unserem Ticket nicht zum Eintritt berechtigt und – Moment mal – dürfen auch nicht hier in Zone 2 sein. Ups. Wir drehen auf dem Absatz um, sagen dem Kontrolleur augenzwinkernd, dass er uns nie gesehen hat und erfreuen uns an unseren Billigtickets, die uns von der eigentlich gültigen Zone 4 durch Zone 3 und letztlich in Zone 2 mit hervorragender Sicht geführt haben. Was für ein tolles Erlebnis!

Zur Bildergalerie: Formel 1 >>

Follow the flow!


 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Aktuelle Uhrzeit Singapur: