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Homestay in Singapur
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Homestay in Singapur

Super. In Singapur findet genau an dem Wochenende der Formel 1 Grand Prix statt, an dem wir dorthin fahren wollen. Die Preise sollen dann nicht mehr dem „normalen“ Niveau (europäisches Preisniveau) entsprechen, sondern explodieren! Am letzten Abend in Kuala Lumpur haben wir dann die perfekte Lösung: Wir quartieren uns günstig bei einer chinesischen Familie ein: Homestay.

Andere Langzeit-Reisende stöhnen, wenn sie von ihrem Kurztrip nach Singapur erzählen: extrem teuer, das Essen, die Unterkunft, alles ein richtiger „Budgetkiller“. Aber Du musst nur den richtigen Ort finden, dann geht das schon. Wir erfahren von einem Franzosen in Kuala Lumpur von „Ali`s Nest“, einem charmanten Homestay bei einem netten Chinesen.

Wohnküche

Für Singapur-Verhältnisse sehr günstige 30 S$ (knapp 17 €) (aber für uns viel Geld im Vergleich zu unseren bisherigen Übernachtungen) verbringen wir bei Ali und seiner Familie unsere Zeit in Singapur. Und Familie heißt in diesem Fall: Ali (ca. 55 Jahre), seine Frau, seine Tochter (ca. 13 Jahre), seine Schwester (etwa 60 Jahre), sein Bruder, seine Nichte und die 91-jährige, taube Oma. Dazu kommen dann noch die anderen Homestay-Gäste. Es herrscht also den ganzen Tag Trubel im Haus.

Aufenthaltsraum

Ali hat das Haus der Familie unter Ausnutzung aller Ecken und Winkel der 120 Quadratmeter zu einem ausgewachsenen Hostel umgebaut. Das dreistöckige Haus bietet im Erdgeschoß Alis Büro (oder eher Rückzugsgebiet, denn er kommt immer sehr verschlafen dort heraus), den Fernsehraum der Familie, der gleichzeitig der Eingangsbereich und Altarraum des Hauses ist und eine kleine Internetecke mit drei älteren Rechnern.
Auf der mittleren Ebene befinden sich die Schlaf- und Waschräume der Familie, der 12 Quadratmeter „große“ Gemeinschaftsschlafraum für bis zu acht Reisende und die Wohnküche als zentraler Lebensraum des Hauses.

Badezimmer

Unter dem Dach gibt es dann neben einer Dusche (natürlich kalt) und einer Toilette für alle Gästen noch drei kleine Zimmer mit einer Matratze auf dem Boden. Eines dieser vier Quadratmeter großen Zimmer werden wir die nächsten zehn Tage unser Zuhause nennen.

Unser Zimmer

Frühstück und Internet sind inklusive und wenn Du den passenden Moment erwischst, bekommst Du von der Oma leckeren Knoblauch-Reis vorgesetzt.
Im direkten Kontakt mit der Familie kannst Du den gesamten Tagesablauf miterleben: Angefangen vom morgendlichen Rufen der Schwester durchs ganze Haus, Zähneputzen am Waschbecken in der Küche, Zubereitung von Gans und Fisch, aber auch den Kampf zwischen Ali und seiner Schwester um das An- bzw. Ausschalten des rauschenden Klassikradiosenders.

Es gibt Gänsebraten

Der rauscht so lange vor sich hin, bis die wuchtige Schwester in ihrem Schlafanzug (den sie übrigens immer trägt) genervt in die Küche watschelt, ein paar Stühle dabei umwirft und dann demonstrativ den Ausschaltknopf drückt. Das Radio bleibt dann genau solange aus, bis Ali mit seinem universellen „Good morning“ die Bühne betritt und es wieder kräftig aufdreht.

Der spannendste Moment tritt jedoch erst dann ein, wenn die sonst sehr nette Oma abends wieder aus ihrem Bett gekrochen kommt und ihr freundliches Gesicht, das sie wohl am Nachttisch abgelegt hat, auch dort vergessen hat. Die freudige Runde - bestehend aus Ali`s Schwester, zwei Italienern und uns - wird durch die wild chinesisch schimpfende Oma jäh unterbrochen. Eh wir verstehen, was Sache ist, schaltet die Oma das Licht aus und beginnt uns zielsicher mit Zwiebeln zu bewerfen.

Die Großmutter mit ihrem Besenstil

Im nächsten Schritt greift sie zum Besen und geht damit auf ihre Tochter los. Diese bleibt allerdings regungslos sitzen, da ihr die Hierarchie in der Familie verbietet, sich gegen einen älteren Menschen zu stellen – offensichtlich sogar bei Schlägen!?! Olli greift den Besen und versucht die wild gewordene Oma zu beruhigen. Er bekommt noch eine Abschieds-Ohrfeige, bevor diese knurrend von Dannen zieht. Mit großem Verständnis für die gesundheitliche Situation der älteren Dame, aber auch etwas verwirrt und besorgt streichen wir dann letztlich auch die Segel und gehen ins Bett. Am nächsten Morgen ist alles vergessen – die Oma begrüßt uns wieder fröhlich und der Familien-Alltag beginnt von vorne. …





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