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Moon Festival
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Laternen-Fest in Kuala Lumpur

In Kuala Lumpur werden wir wieder einmal durch die vielschichtige Kultur Malaysias überrascht. Nach einem langen Tag Sightseeing wollen wir eigentlich nur noch zurück in unsere Unterkunft, als wir über eine große Ansammlung feierlich gekleideter Menschen stolpern. Neugierig mischen wir uns unter die Leute und sind mitten in einem der bedeutendsten und bezauberndsten Feste Süostasiens gelandet – dem Mid Autumn-, Laternen- oder auch Moon Festival.

Das Fest stammt aus dem chinesischen Kulturkreis und findet jedes Jahr am fünfzehnten Tag des achten Monats des chinesischen (Mond-) Kalenders statt. Somit fällt es mit dem Vollmond und der Mitte des Herbstes (Mid Autumn) zusammen. Es symbolisiert das Ende der Erntezeit und gleichzeitig die Wiedervereinigung von Familie und Freunden, die traditionell zu diesem Anlass nach Hause zurückkehren. Die Ursprünge des Moon Festivals gehen zurück auf die Anbetung des Mondes in alten chinesischen Dynastien vor mehreren Tausend Jahren und basieren auf der Legende von Houyi und Chang’e, der Mondgöttin.

Mooncake

Traditionell werden zum Moon Festival Mooncakes im Familienkreis gegessen. Diese etwa brötchengroße, pastetenähnliche Spezialität besteht aus einer marzipanartigen, gesüßten Lotussamenpaste umhüllt von einer dünnen Schicht Mürbeteig. Der unbestätigten Überlieferung nach wurden Mooncakes erstmals zur Übermittlung geheimer Nachrichten im Widerstand gegen die mongolischen Herrscher in China eingesetzt. Zur Feier des Sieges wurden die Mitteilungen durch das Eigelb eines gesalzenen Enteneis verfeinert. In edleren Varianten der Mooncakes befindet sich dieses auch heute noch in der Mitte des Kuchens und stellt das optische und geschmackliche Highlight dar.

Das Mid Autumn Festival wird jedoch nicht nur durch den Verzehr kulinarischer Köstlichkeiten begangen, sondern umfasst einige weitere Bräuche: Das Anzünden kunstvoller Laternen, das Aufführen traditioneller Drachentänze und natürlich das Abbrennen von Räucherstäbchen während der Anbetung Chang’es, der Mondgöttin.

Drachen der Dragon Dancer

Die Vielzahl Laternen taucht den alten Marktplatz in Kuala Lumpurs Chinatown in friedliches Licht und wir freuen uns, dass wir zur rechten Zeit am rechten Ort sind. Wie üblich, wenn Chinesen in großer Zahl gemeinsam auftreten, ist Stille nicht Teil des offiziellen Programms. So auch diesmal. Es kommt Bewegung in die Menschenmenge und als sich der prächtige Drachen der Dragon Dancer über die Köpfe der Zuschauer erhebt, beginnen die Trommeln, Schellen und Bo (kleine Becken zur Erzeugung der typisch chinesischen Klänge) einen schnellen, mitreißenden Rhythmus anzustimmen.

Laternen Fest: Der passende Haarschmuck

Erst langsam, dann immer schneller windet sich der Drachen im Takt der Musik durch die Menschenmenge. Dann setzt sich die flinke Gruppe der Dragon Dancer in Bewegung und formt die Spitze eines Zuges durch Chinatown. Lokale Prominenz und herausgeputzte Schönheiten folgen mit ihren erleuchteten Laternen und tragen die fröhliche Stimmung in die Stadt.

Zurück auf dem Marktplatz wird der Rest des Abends durch ein buntes Programm abgerundet. Die Legende von Houyi und Chang’e wird vorgetanzt und die kulturelle Integration Malaysias wird durch gemischte Trommlergruppen vorangetrieben. Ein etwas moppeliges, malaiisches Popsternchen (von uns leider unerkannt) wird erst frenetisch gefeiert und dann beim Playback von der Technik im Stich gelassen. Als krönenden Abschluss bekommen wir den vielleicht größten chinesischen Entertainer alter Schule (von uns ebenfalls leider unerkannt) dargeboten. Eine Stunde lang brennt er ein Feuerwerk uralter Witze, eingerosteter Hüftschwünge und chinesisch-malaiischen Swings ab.

Unser 70jähriger, zahnloser Sitznachbar fällt vor Begeisterung beinahe vom Sitz, klatscht sich die Hände wund und erlangt durch zahlreiche Zwischenrufe die Aufmerksamkeit seines Idols. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Denn das verborgene Talent unseres Sitznachbarn beginnt zu sprudeln und die offensichtlich gelungenen Witze auf Kosten des Gastgebers bringen diesen in die Bredouille (den Reaktionen des Publikums nach zu urteilen, schließlich erfolgt der Schlagabtausch auf chinesisch und wir verstehen kein Wort). Mit seinem absoluten Hit und dem Höhepunkt des Abends rettet sich der chinesische Sinatra und zaubert einen chinesisch persiflierten Bossa Nova aus dem Hut.

Der krönende Abschluss

Das obligatorische Feuerwerk wird abgebrannt und die Menschenmenge zerstreut sich schnell in alle Richtungen. Wir saugen die Atmosphäre noch ein wenig auf und erfreuen uns an unserem noch immer in Richtung Bühne schmähenden Nachbarn. Dass der Abend bereits vorbei ist und die Bühne leer, scheint ihn nicht weiter zu stören. Wir schlendern durch die Straßen zurück zu unserem Guest House, glücklich darüber in diese Veranstaltung gestolpert zu sein.



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