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Hungry Ghost Festival
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Papierstapel beim Hungry Ghost Festival

Die architektonischen Gegensätze in Georgetown sind für uns schon beinahe zur Normalität geworden. Aber die jungen, chinesischen Frauen, denen wir begegnen, bereichern wieder einmal die lange Liste der Gegensätze: modern und westlich gekleidet kommen sie aus ihren Büros und üben auf offener Straße ein Ritual aus einer scheinbar anderen Zeit aus.


Auf unserem Streifzug durch Georgetown kommen wir an besagter Gruppe vorbei, die gerade damit beginnt, einen recht ansehnlichen Haufen aus bunten, gefalteten Papierblumen, Geldscheinen unbekannter Währung und silbernen Tütchen aufzutürmen. Wir beobachten sie eine Zeit lang, bis wir einen Moment erwischen, in dem sie ihre geschäftige Tätigkeit unterbrechen und uns auf unsere interessierten Blicke und Fragen Antwort geben.

Man mag es kaum glauben, aber diese Geschäftsfrauen haben heute ihre Arbeit unterbrochen, um die „hungrigen Geister“ zu besänftigen. Wir erfahren, dass im siebten Monat des chinesischen Mondkalenders die Hölle ihre Pforten öffnet. Die umtriebigen Geister streifen dann unkontrolliert durch die Straßen und wandern für einen Monat rastlos auf der Erde umher. Um diese zu beruhigen und Unglück abzuwenden, stellt die chinesische Bevölkerung nicht nur Essen vor das Haus, sondern türmt zudem kunstvolle Papierstapel aller erdenklichen Größen auf.

Höllengeld wird angezündet

Natürlich darf bei den Chinesen auch nicht das Geld fehlen. Daher wird eigens für diesen Zweck angefertigtes „Höllengeld“ auf den Stapel gelegt, das die Geister auch im Jenseits verwenden können. Dieses wird mit Drachenkerzen und Räucherstäbchen entzündet und setzt schließlich den gesamten Turm in Brand. Auf diesem Weg gelangen die Gaben auf die Ebene der Geister.

Der Haufen brennt nieder

Während der Haufen niederbrennt und der Wind den ein oder anderen Geldschein mit dem Rauch durch die Straßen treibt, beten die jungen Frauen, dass die Geister ihre Gaben annehmen und ihnen kein Unglück widerfährt. Für uns ist es ein befremdlicher Anblick; moderne Menschen wie Du und ich beim Geisterbeschwören – mitten auf der Straße.

Das „Hungry Ghost Festival“ (Yue Lan) wird heute überall in Georgetown praktiziert. Immer wieder sehen wir kleine Aschehäufchen mit den Resten brennender Räucherstäbchen oder daneben liegenden Essensgaben auf dem Asphalt. Vor manchen Häuser scheint es vollkommen stimmig: chinesische Schreine säumen den Hauseingang oder alte, chinesische Mütterchen sitzen davor. Dass dieser Glaube aber auch in der modernen Welt fortgeführt wird, haben wir heute miterlebt. Mögen sich die Seelen aus der Hölle beruhigen und schnell wieder dahin zurückkehren, wo sie hergekommen sind.

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