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Georgetown: Wirklich Weltkulturerbe?
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Chinesische Sammelleidenschaft in Georgetown

Die Wunde an Tinas Zeh ist geschlossen und wir können weiterreisen. Allerdings scheiden nun Inseln, Strand, Meer und Dschungel aus. Weite Strecken laufen ist auch noch nicht drin, also bleibt nur noch eine Städtetour. Ein schneller Blick in die Liste der Weltkulturerbe in Malaysia genügt und wir kennen unser nächstes Ziel: Georgetown, die alte britische Kolonialstadt auf der Insel Penang an der Westküste Malaysias.


Die Erwartungen sind groß, denn immerhin ist die Stadt selbst als Weltkulturerbe deklariert und somit vermeintlich einer der weltweit herausragenden kulturellen Schätze, auserwählt von der Unesco höchstpersönlich. Wir erwarten einmalige Bauten wie den Kölner Dom, die Altstadt von Venedig, die Alhambra oder Machu Picchu. Tatsächlich gibt es einige hübsche Kolonialbauten, die von der britischen Herrschaft zeugen. Historisch für die Stadt und die umgebende Region sicherlich nicht unbedeutend, aber nichts wirklich Besonderes.

Lieber neu statt alt?

Die Schätze Penangs (so wird nicht nur die ganze Insel, sondern auch Georgetown selbst genannt) sind nicht ganz so auffällig wie die Prachtbauten Europas und wir müssen geduldig auf die Suche gehen, um das kulturelle Welterbe Georgetowns zu entdecken.

Wie viele asiatische Städte ist auch Penang geradezu mit kleinen und großen Tempeln gepflastert. Die Besonderheit der malaysischen Provinzhauptstadt liegt in der multikulturellen Vielschichtigkeit, die sich an eben diesen Tempeln besonders deutlich beobachten lässt. Es finden sich neben den obligatorischen Moscheen und chinesischen Tempeln auch christliche Kirchen, buddhistische Tempel und zum Teil sogar Mischtempel aus mehreren Religionen und Ethnien, etwa chinesisch-buddhistisch-taoistische Tempel. Sie alle sind das Abbild der realen Bevölkerungsstrukturen und zeigen eine bunte Vielfältigkeit, wie sie andernorts kaum anzutreffen ist.

Weniger religiös geprägt, aber ebenso sichtbar sind die multikulturellen Durchmischungen, wenn die Sonne langsam untergeht. Dann erwachen die unscheinbaren Gassen und Straßenecken Penangs zu ungeahntem Leben. Es wachsen chinesische Garküchen und muslimische Straßen-„Restorans“ buchstäblich aus dem Boden und bilden eine Art natürlichen Bewuchs der tagsüber schäbigen Straßen.

Frische Wan-Tans

Man kann mühelos an dem einen Stand ein paar Satay-Spieße als Vorspeise genießen, dann wenige Schritte weiter „halal“ Hühnchen serviert bekommen und bei der nächsten Garküche „red Bean-Fritters“ zum Nachtisch schlemmen. Weltklasse war die Wonton Mee Soup (Wan-Tan Nudelsuppe) in einem chinesischen Ecklokal mit frischen, selbstgemachten Wontons und Nudeln. Und dazu eisgekühlten, grünen Tee oder ein Tiger Bier, das es natürlich nicht bei den benachbarten Muslimen gibt.

Bei aller Durchmischung, die sich dem Besucher zeigt, leben die Bevölkerungsgruppen doch ihre separaten Leben, mit getrennten Religionen, Tempeln und sogar eigenen Vierteln wie Chinatown und Little India. Nur wenige Mischformen existieren und diese bewegen sich nicht etwa frei zwischen den Welten, sondern bilden eine eigene, neue Welt. So bildet die Mischform aus islamischen Malayen und chinesischen Einwanderern eine eigene Volksgruppe, die Nonya. Diese leben wiederum in eigenen Vierteln und haben sogar ihre eigene Küche (Perakan).

Integration funktioniert in Malaysia anders als in Deutschland. Es werden separate Identitäten bewahrt und die Bevölkerungsgruppen bleiben weitgehend unter sich. Durchmischung erfolgt lediglich sehr vorsichtig und fungiert nicht zwingend als Bindeglied, sondern führt zu weiterer kultureller Vielfalt. Durch die klar abgegrenzten Gruppen ergeben sich auch auf politischer Ebene starke Gegenpole: Nach einer vorübergehenden Islamisierung haben sich die nichtmalaiischen Ethnien zusammengeschlossen und stellen in Penang sogar die Regierung unter chinesischer Führung. So stellt sich die Integration in Malaysia eher als eine „Balance of Power“ dar, denn als eine Assimilation, wie sie in Deutschland angestrebt wird.

Ob diese sicherlich interessante, aber eher unspektakuläre kulturelle Vielfalt zwingend den Titel Weltkulturerbe nach sich ziehen muss, wagen wir zu bezweifeln. Georgetown ist eine nette Stadt, aber es stellt unserer Meinung nach eben kein absolutes Highlight einer Südostasienreise dar. Spannend ist die Integrationsphilosophie, die sich vollkommen anders als in Deutschland darstellt. Welcher Weg erfolgversprechender anmutet, darf jeder für sich entscheiden.

Zur Bildergalerie: Georgetown >>

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Kommentare 

 
#1 Chris Roos 2010-10-08 15:29
Hallo T&O,
ich habe es endlich mal geschafft, mit etwas Zeit Euren Erlebnissen zu folgen. Tina, Dir weiterhin gute Besserung. Lass Dich nicht unterkriegen - es ist noch ein schöner weiter Weg (oder schön weit) vor Euch. Genießt es.
Bin in Gedanken immer mal wieder bei Euch.
Chris
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