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Grenzübertritt auf Laotisch
Weltreise-Berichte aus Laos

Die Reisepässe füllen sich

Wir sind bereits seit einem Monat in Laos und verbringen die letzten Tage ganz entspannt auf Don Det, einer kleinen Insel im Mekong direkt an der Grenze zu Kambodscha. Die Fahrt nach Phnom Penh organisieren wir bequem auf der Insel und bekommen einen ersten Vorgeschmack auf unser nächstes Reiseland: Gezahlt wird in „harten“ US Dollars. Alles verläuft reibungslos bis auf die Ausreise aus Laos. Wir hatten nicht mit der Kreativität der laotischen Grenzer gerechnet und werden unverblümt zur Bestechung aufgefordert…

Wir verlassen Don Det so wie wir angekommen sind, im Longtailboot. Die Idylle der „Fourthousand Islands“ wird kurz durch den Höllenlärm des Außenborders gestört, dann verschwinden wir auch schon über den Mekong. Ein kurzer Transfer mit einem völlig verrosteten Minivan zum Highway und schon können wir in den luxuriösesten Bus der letzen drei Monate einsteigen. Klimatisiert und mit europäischer Beinfreiheit rollen wir der Grenze entgegen.

Kurz nach der Abfahrt kommt der Busbegleiter durch die Reihen und verteilt die üblichen Ausreiseformblätter. Er fordert uns auf, ihm unsere Reisepässe und 28 US Dollar pro Person anzuvertrauen. Moment mal, wieso 28 Dollar? Das Visum für Kambodscha soll doch nur 20 Dollar kosten!
Hinter uns mischt sich der US-Amerikaner John ein; er hält die Reiseführerbibel für Amis hoch als würde er darauf schwören und zitiert wortgetreu: „Die Grenzbeamten verlangen illegal Schmiergeld für den Ausreisestempel. Wir sollen uns weigern, das zu bezahlen und nach einer Quittung fragen. Dann geben die ganz schnell auf!“. Das hört sich gut an, also entscheiden wir uns, nicht den bequemen Weg zu wählen und stattdessen die Grenze zu Fuß zu überqueren und sämtliche Formalitäten selber zu erledigen.

Während der klimatisierte Bus direkt auf die kambodschanische Seite des Grenzübergangs rollt und die meisten Touristen kühle Getränke besorgen, findet sich eine kleine Gruppe von Widerständlern vor dem laotischen Grenzposten ein. Drei pensionierte Israelis, der Ami John, wir und ein weiteres Pärchen sind wild entschlossen für ihr Recht einzutreten.
Im Schutz der 1500 Seiten starken Reisebibel wagt sich John als Erster vor und sagt sein Sprüchlein auf: „Warum soll ich diese Gebühr zahlen?“, „Oh, kann ich dafür dann eine Quittung bekommen?“, „Nein?! Dann zahle ich das nicht!“ Gespannt warten wir auf die Reaktion des Grenzers und erwarten, dass er mürrisch nachgibt. Er erweist sich jedoch hartnäckiger als erwartet. Also treten wir anderen vor und versuchen durch unser Auftreten in der Gruppe den Druck zu erhöhen. Vergeblich, denn nach und nach holt der Mann auf der anderen Seite der Gitterstäbe auch seine Verstärkung, bis uns sechs Uniformierte mit immer größer werdenden Schulterklappen gegenüber stehen. Mist, unentschieden.

Wieder ist es John, der die nächste Phase der Eskalation einleitet. Seine brillante Idee, die Sünder mit seiner Digitalkamera erkennungsdienstlich zu erfassen, bringt endlich Bewegung in die Sache. Leider nicht in die erhoffte Richtung. Der Ton wird schärfer und der Blick unsere Widersacher verfinstert sich. Zudem lässt einer nach dem anderen sein Namensschild verschwinden.
Wir versuchen so zu tun, als wäre nichts geschehen und bitten den Grenzer höflich, unsere Pässe abzustempeln, damit wir endlich ausreisen können. Er spielt das Spiel mit und bittet uns ebenso höflich doch gefälligst die zwei Dollar „Stempelgebühren“ herauszurücken. Hm, das scheint hier nicht wirklich einfach zu werden.

Mittlerweile sind die Nerven auf beiden Seiten deutlich angespannt. Einer der Israelis wird wütend und beginnt, die Polizisten zu beschimpfen. Es sei illegal und sie würden sein Geld stehlen. Überraschender Weise werden auch diese schlagenden Argumente ignoriert. John bittet mittlerweile das dritte Mal ekelhaft freundlich, ein Foto machen zu dürfen.

Jetzt reicht es den Grenzern offensichtlich! Die wiederholte, freundliche Bitte um einfaches Abstempeln des Passes wird durch die Drohung, den Pass zurück in die Provinzhauptstadt zur „Überprüfung“ zu schicken, gekontert. Dankend lehnen wir ab, denn dies würde zu einer mehrtägigen Verzögerung führen.
Nachdem wir erkennen müssen, dass die mittlerweile einstündigen Verhandlungen an einem toten Punkt angelangt sind, signalisieren wir vorsichtig eine gewisse Bereitschaft, die Diskussion um eventuelle Kompensationszahlungen für die Mühe des Abstempelns wieder aufzunehmen. Von da an geht alles ganz zügig. Wir einigen uns auf eine großzügige Spende und erhalten im Gegenzug unsere Pässe begleitet von guten Wünschen für die Weiterreise.

Wir trollen uns von laotischem Boden und machen uns auf den Weg durch das Niemandsland zur kambodschanischen Seite der Grenze. Auf halbem Weg werden wir gestoppt, um eine „Gesundheitsüberprüfung“ über uns ergehen zu lassen. Ein Infrarotthermometer wird auf unsere Stirn gerichtet, wir entrichten einen US Dollar pro Person für diesen Service und dürfen weiter zum nächsten Häuschen gehen.

Die offizielle Quittung der kambodschanischen Grenze

Der Preis für das Visum liegt natürlich wieder fünf Dollar über der tatsächlichen Summe, allerdings reduziert sich dies auf die offizielle Zahl nach kurzer Verhandlung. Aber da wären noch zwei US Dollar für die Formulare zu bezahlen. Murrend stimmen wir zu, da wir diesmal eine „Quittung“ erhalten und zahlen die geforderte Summe.
Mit den ausgefüllten Formularen und beinahe geleerten Taschen begeben wir uns zur tatsächlichen Einreise nach Kambodscha. Wir reagieren nur noch mit säuerlichem Lächeln, als die Forderung nach zwei US Dollar Stempelgebühr erhoben wird. Kopfschüttelnd zahlen wir diese und geben uns den Grenzbeamten geschlagen.

Was haben wir also an diesem Tag gelernt?
  • Je schneller man erkennt, dass der andere am längeren Hebel sitzt, desto schneller ist man in Kambodscha.
  • Wenn ein US Dollar ein guter Stundenlohn ist, lohnt sich auch dieser Umweg.
  • Nur die echte Bibel hat immer recht und unsere Einschätzung der Qualität gewisser Reiseführer hat sich wieder einmal bestätigt.
  • Wir mussten uns nicht eine Stunde lang im Bus langweilen, während die anderen ihren Spaß mit den Einheimischen hatten.


  • ;-)




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Kommentare 

 
#2 Tina und Olli 2011-05-10 05:41
:lol: Stimmt, Du warst sehr geduldig! Vielen Dank! Was habt ihr eigentlich im Bus währenddessen angestellt?
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#1 Marion 2011-05-09 11:06
Ihr habt nicht die Geduld der Wartenden im Bus erwähnt
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