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Luang Prabang - Stadt der Mönche
Weltreise-Berichte aus Laos

Tempel in Luang Prabang

Die wohl schönste Stadt Laos’ ist Luang Prabang. In der alten Königsstadt wurden viele historische Gebäude erhalten. So konnte die Stadt ihren ursprünglichen Charme bewahren und hat sich damit den Status eines UNESCO Weltkulturerbes wohl verdient. Der Königspalast und die Vielzahl der umgebenden Tempel spiegeln eindrucksvoll die enge Verknüpfung von weltlicher und spiritueller Macht im asiatischen Raum wider …

Das eigentliche Zentrum Luang Prabangs liegt auf einer Halbinsel an der Mündung des Nam Khan River in den Mekong. Durch die isolierte und kompakte Lage reduziert sich der Verkehr auf ein Minimum und die Stadt ist sehr gut zu Fuß zu erkunden. Einer der Hauptgründe für die Vergabe des UNESCO Weltkulturerbe Status erschließt sich uns schon bei den ersten Spaziergängen: prachtvolle buddhistische Tempel prägen das Erscheinungsbild der Stadt wie an keinem anderen Ort Südostasiens. Jedes noch so kleine Viertel hat seinen eigenen Wat und dementsprechend gehören die orange gekleideten Mönche zum normalen Straßenbild.

Luang Prabang ist das größte Ausbildungszentrum in Laos für junge Mönche. Auf den ersten Blick sind diese nur schwer von ordentlichen Mönchen zu unterscheiden. Nur bei genauem Hinsehen kann man erkennen, dass die Gewänder der Mönche ein einziges Stück Stoff sind, während junge Mönche vor ihrer Weihe dreiteilige Roben tragen müssen.

Auf einem unserer Erkundungsgänge steigen wir den kleinen Hügel namens Phu Si im Zentrum Luang Prabangs zu den Tempeln hinauf. Auf halbem Weg machen wir Rast und werden von Det, einem jungen Mönch angesprochen, der die Gelegenheit nutzt, um seine Englischkenntnisse zu vertiefen. Aus einer kleinen Plauderei wird ein vertieftes Gespräch, in dem wir uns gegenseitig unsere Religionen erklären. Dies fällt ihm deutlich leichter als uns, denn unser Religionsunterricht ist doch erheblich länger her. Mit tieferem Verständnis für die buddhistische Lehre und das Leben eines jungen Mönches steigen wir vom Hügel wieder herab.

In Luang Prabang leben sehr viele Mönchsnovizen mit einem Alter bis zu 19 Jahren. Viele Novizen werden bereits als Kinder von ihren Eltern ins Kloster gebracht, um dort eine Ausbildung zu erhalten. Mit Beginn des zwanzigsten Lebensjahres ist die Grundausbildung der Novizen abgeschlossen und die Mönchsweihe kann vollzogen werden. In der Zeit seiner Ausbildung erhält der Novize auch seine akademische Qualifikation. Er kann nun frei entscheiden, ob er Mönch bleiben möchte, weiterführende Studien anstrebt oder in seine Heimat zurückkehrt. Dort kann er mit dem erworbenen Wissen seiner Dorfgemeinschaft helfen.

Ein wesentlicher Bestandteil des buddhistischen Lebens ist das tägliche Geben bzw. Nehmen von Almosen. Allmorgendlich wandern die Mönche durch die Gemeinde und empfangen Almosen in ihren speziellen Schalen, die nur durch sie berührt werden dürfen. So erhalten die Mönche ihre Nahrung für die zwei Mahlzeiten am Tag bis zum Mittag und die Gläubigen können Verdienste für ihr Karma erwerben. In Luang Prabang wird diese Tradition besonders aktiv gelebt und die Mönche mehrerer Wats versammeln sich zum gemeinsamen Empfangen der morgendlichen Gaben. Diese große Ansammlung von Mönchen ist einmalig in Südostasien und lockt Gläubige und Touristen gleichermaßen an. Für die einen ist es die Gelegenheit viele Verdienste auf einmal zu erwerben, während die anderen auf der Suche nach einem besonderen Spektakel und ein paar Schnappschüssen sind. Leider vergessen viele dabei, dass es eine religiöse Veranstaltung und keine Show ist. In einer Kirche würden wir ja auch nicht mit dem größtmöglichen Objektiv nach vorne zum Altar gehen und dem Priester ins Gesicht knipsen!

Senpeth – der Mönchsnovize

In einem Gespräch mit Senpeth, einem weiteren Novizen, erfahren wir, dass man auch als Tourist gerne die Veranstaltung beobachten oder sogar als Almosengeber teilnehmen kann, wenn Respekt und Demut in gebotenem Maße beachtet werden. Wir fragen ihn, ob Almosen der Touristen überhaupt angenommen werden; wir haben gehört, dass diese meist an Bettelkinder „aussortiert“ werden. „Ich nehme alle Spenden gleich gerne an, egal von wem sie kommen, wenn sie nur aufrichtig gegeben werden“ sagt uns Senpeth und wirkt beinahe so, als ob er die Frage gar nicht versteht.

Viele Touristen verstehen es falsch, wenn Gaben an nebenher laufende Kinder weitergegeben werden. Dies liegt jedoch nicht daran, dass vermeintlich Ungläubige diese Almosen geben, sondern schlicht am Überfluss, in dem die Mönche glücklicherweise in Luang Prabang leben können. Von diesem können auch die Kinder bedürftiger Familien profitieren und die Mönche teilen ihre Spenden gerne, ohne eine Differenzierung nach Spender vorzunehmen. „Ich bin froh, etwas von meinen Gaben weitergeben zu können“ sagt Senpeth und lächelt erstaunlich weise für einen 15jährigen.

Beruhigt durch diese Aussagen stehen wir am nächsten Morgen um halb fünf Uhr auf und beobachten das Ritual gespannt. Natürlich kommen als Erstes die findigen Verkäufer, die den Touristen überteuerten, minderwertigen Reis für die Gaben verkaufen wollen. Darüber freuen sich die Mönche sicherlich nicht. Wir lehnen dankend ab und suchen uns eine gute Position, um ein paar Fotos zu schießen und niemanden zu stören. Es ist kurz vor Sonnenaufgang und langsam kommen die Einheimischen aus ihren Häusern, um sich auf dem Gehweg für die Gaben aufzureihen. Plötzlich fahren ein gutes Dutzend Minibusse an, werfen einen Haufen Touristen ab und verschwinden wieder. Die „Reiseleiter“ weisen die Schaulustigen kurz an, dass sie vollkommen überteuerte vier Bananen für einen Euro oder etwas von dem angebotenen Reis kaufen sollen und sich schnell noch zwischen die demütig wartenden Gläubigen drängen sollen. Dann kommen auch schon die Mönche.

Langsam nähert sich ein immer länger werdender Zug der typisch orange gekleideten Mönche. Im zarten Morgenlicht heben sich die leuchtenden Gewänder besonders deutlich von der noch farblosen Umgebung ab und wir verstehen, warum dieses Ereignis so gern als „einmalige Fotogelegenheit“ verkauft wird. Leider sieht das auch der letzte Tourist so und alle richten ihre Kompaktkameras oder riesigen Profiteleobjektive auf die Mönche. Wie gut, dass es nur vier Bananen für hunderte von Mönchen waren, so hat man gleich wieder die Hände frei und einen Platz in der ersten Reihe für Spitzenfotos direkt ins Gesicht, mit denen man die Lieben zuhause beeindrucken kann. Dass nebenan die Gläubigen die Hände zum Gebet zusammenlegen und reglos verharren, sobald die Gaben ausgegangen sind, fällt leider keinem von ihnen auf. Wir sind wieder einmal vom Verhalten der lieben Mitreisenden begeistert und versuchen noch etwas diskreter unsere Fotos zu schießen. Gar nicht so einfach, wenn in der „ersten Reihe“ alle anderen auf der Suche nach dem ultimativen Schnappschuss hin und her hüpfen.

Touristen, Almosen-Geber, Mönche, Bettelkinder

Nach einiger Zeit erkennen wir aus der Ferne den Abt von Senpeths Tempel und wir freuen uns darauf, unseren neuen Freund bei diesem Ritual wiedersehen zu können. Wir haben ihm am vorigen Tag erklärt, wie wir reisen, dass wir davon berichten und unseren Lesern auch gerne anhand von Fotos zeigen, was es in anderen Ländern alles zu erleben gibt. Er hat uns einige Hinweise gegeben, die wir nun beherzigen. Er hat uns schon von weitem erspäht und strahlt uns an. Sein aufmunternder Blick bestätigt die Erlaubnis vom Vortag und wir können guten Gewissens ein paar tolle Bilder machen.

Wir freuen uns, dass wir dieses besondere Ereignis dank der intensiven Gespräche mit Det und Senpeth mit soviel Einsicht erleben konnten und hoffen, dass der Strom unbeherrschter Schaulustiger nicht weiter ansteigt. Oder dass einfach die Einsicht der lokalen Tourorganisationen zunimmt und das Teilnehmen mit ein wenig Hintergrundinformation umgesetzt werden kann, damit der ursprüngliche Charakter nicht doch irgendwann verloren geht.




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