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Abenteuerlich von Vietnam nach Laos (Flow-Followers Logbuch, Teil 12)
Weltreise-Berichte aus Laos

Blick über Laos

Was der Reiseführer mit “gesteigertem Schwierigkeitsgrad beim Grenzübergang” meint, verstehen wir nun viel besser, nachdem wir geschlagene drei Tage bis zu unserem nächsten Reiseziel in Laos benötigen …

Wir sind im Norden Vietnams in Sapa und haben keineswegs vor (und schon gar nicht die Zeit – unser Visum läuft in 2 Tagen aus) wieder Richtung Süden zu ziehen, um die südlicheren, bequemeren Grenzübergänge nach Laos zu nutzen. Also versuchen wir unser Glück über die Gebirgskämme im Norden Vietnams und Laos. Der erste Teilabschnitt führt uns nach Dien Bin Phu, einer vietnamesischen Grenzstadt, lediglich 30 km von Laos entfernt.

Der Kleinbus startet um 8 Uhr morgens in Sapa. Vollgepackt mit Rucksäcken und Reisenden sucht er rasant und zäh zugleich seinen Weg über die noch immer in Wolken liegenden Berge. Die Straßen sind alles andere als in gutem Zustand: steinige, sandige mit Schlaglöchern übersähte Wege führen uns über die nördlichen Bergketten Vietnams. Immer wieder muss der Fahrer frischen Erdrutschen ausweichen und durch kleinere, aber reißende Flüsse manövrieren.

Nach acht Stunden unaufhaltsamem Geschaukel und Gehoppel kommen wir endlich in Dien Bien Phu an. Vorhersehbarerweise eine ganz typische Grenzstadt. Eine breite Hauptstraße gesäumt von unattraktiven Häusern, kaum Guesthouses, sehr viele einfache Suppenrestaurants und ein Busbahnhof. Die Stadt hatte ihren Augenblick, als hier die Franzosen vernichtend geschlagen wurden und dabei wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Uns ist sofort klar, dass wir keinen Moment länger verweilen wollen als unbedingt nötig. Also geht es am nächsten Morgen gleich weiter nach Laos.

5:30 Uhr: Abfahrt des Busses zur Grenze und nach Muang Kuah. Dieses Mal ist es ein großer, schäbiger Reisebus, der seine besten Zeiten wohl vor 30 Jahren hatte. Der Bus ist voll und trotzdem steigen noch mindestens zehn weitere Vietnamesen ein – alle natürlich mit ihren Plastikkoffern. Zu guter Letzt wird noch ein etwa zwei Kubikmeter großer Sack durch die schmale Eingangstür gehievt, mit aller Kraft in den Gang gepresst und verstopft somit das restliche Stückchen freien Raum. Mit einer Stunde Verspätung geht es los.

Mühsam schlängelt sich der Bus die schmalen, aber immerhin geteerten Bergstraßen bis zum höchsten Punkt der westlichen Hügelkette hinauf, wo wir die vietnamesische Grenze erreichen. Hier gibt es nichts mehr, nur die Grenze. Etwas weiter geht es dann auf der laotischen Seite zur Beantragung des Visums. Irgendwie scheint alles seinen geregelten Gang zu nehmen: Pässe abgeben, Visaformular mit Passfoto ausfüllen, Visagebühr bezahlen und Pässe zurückbekommen. Und weitere US-Dollar löhnen für alle möglichen „Servicegebühren“ (Fiebermessgebühr wegen der Vogelgrippe, Sonderschichtgebühr für den Samstagseinsatz der Grenzer, Stempelgebühr fürs Visum und noch eine Stempelgebühr für den Einreisestempel). Das Prozedere für unseren Bus dauert an die drei Stunden, bis auch der letzte Westler abgefertigt ist…

Blick aus dem Busfenster

Endlich. Wir sind in Laos! Naja, zumindest was die politische Ebene angeht. Vor uns: vier Stunden über roh in den Berg gefräste Schotterwege zur nächsten Siedlung. Über uns: unbefestigte Geröllfelder. Neben uns: wenige Zentimeter zum Abgrund. Oft genug wird es in den Kurven recht knapp, aber der Fahrer scheint die Strecke entweder sehr gut zu kennen oder sehr mutig zu sein und drosselt die Geschwindigkeit nur leicht. Wir wollen uns gar nicht vorstellen, wie die Passage bei Regen aussehen mag… Das unangenehme Gefühl legt sich immer wieder schnell – dank der atemberaubenden Ausblicke über die weiten Täler Laos.

Muang Kuah

Endlich. Jetzt sind wir wirklich in Laos! Und auch noch in der Zivilisation. Zumindest auf der anderen Seite des Flusses. Wir können Häuser sehen. Der Busfahrer hält direkt am Wasser und wir dürfen ohne einen einzigen Kip (die laotische Währung) in der Tasche zusehen, wie wir ans andere Ufer kommen. Zum Glück nimmt der Fährmann Dollars (auch wenn sich der Fährpreis dadurch beinahe verdoppelt) und wir gelangen doch noch nach Muang Kuah, wie die erste Stadt auf laotischem Gebiet heißt. Aber Moment mal. Der einzige nennenswerte Punkt auf der Karte in weitem Umkreis ist keine Stadt, sondern ein kleines Dörfchen mit 200 Häusern mitten im Nirgendwo. Keine Möglichkeit an Bargeld in Landeswährung zu kommen und weit und breit keine Möglichkeit, unsere geschundenen Travellerseelen etwas komfortabler Ruhe zu gönnen.

Nach dem Anreisetag nach Sapa und den zwei Reisetagen hierher bleibt uns nichts anderes übrig, als unser Heil in der Flucht zu suchen. Wir laufen in der Mittagshitze drei Kilometer bis zur Busstation und erreichen gerade noch den einzigen Minibus des Tages nach Oudomxai, der nächsten Provinzhauptstadt.

Natürlich ist der Fahrpreis in Dollar wieder überhöht, aber immerhin kommen wir hier weg. Aber wie? Mit unseren Fahrkarten in der Hand gehen wir zur Tür des Busses und werden von unfreundlich dreinblickenden Laoten angestarrt, die direkt im Eingang auf Reissäcken sitzen. Der Bus ist randvoll! Auf unser Bitten, doch etwas zu rücken wird natürlich nicht reagiert. Zum Glück ist der Busfahrer etwas resoluter und schafft in jeder Reihe zwei weitere (imaginäre) Sitzplätze, auf die er die Einheimischen verfrachtet. Wir bekommen die Ehrenplätze auf den Reissäcken im Eingangsbereich.

Weitere drei Stunden später sind wir in Oudomxai. Dieses entpuppt sich dann auch wirklich als echte Stadt und wir können unsere Nahrungs- und Bargeldvorräte auffüllen. Da die Stadt ansonsten nicht viel zu bieten hat, geht es auch von hier aus am nächsten Morgen weiter zu unserem ersten geplanten Reiseziel in Laos: Luang Nam Tha im Norden.




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