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„One Dollar!” – Bettelkinder in Südostasien
Weltreise-Berichte aus Kambodscha

Bettelkinder in Kambodscha

Auf einer Reise durch Südostasien erlebt man viele Dinge, die anders sind als zuhause. Mit schönen Erlebnissen umzugehen ist einfach, man freut sich darüber und hat eine schöne Erinnerung gewonnen. Der Umgang mit den Schattenseiten hingegen ist schwieriger. Einer der dunklen Flecken ist die Armut in diesen Ländern, insbesondere die der Kinder. Wie gehen wir damit um, wenn uns große, fragende Augen aus einem völlig verdreckten Gesicht ansehen und der süße Fratz fragt: „One Dollar?“…

Wir haben schon viele arme Menschen auf unserer bisherigen Reise gesehen, aber Kambodscha scheint die Hochburg der Armut zu sein. Allerorts betteln Kinder und der Anblick ist nicht einfach zu ertragen. Vor allem, wenn wir uns nach Monaten endlich mal wieder ein Steak für umgerechnet einen Wochenlohn gönnen oder das saubere Zimmer im Guesthouse vor Augen haben. Aber wie gehen wir damit um? Geben wir den Kindern Geld oder nicht? Wenn ja, wie viel? One Dollar? Und geben wir auch dem nächsten Kind Geld und dem übernächsten? Tun wir den Kindern damit wirklich etwas Gutes? Viele Gedanken gingen und gehen uns durch den Kopf. Nach langer Zeit in der Region, vielen Gesprächen mit Einheimischen und vielen Erlebnissen haben wir unsere vorläufige Entscheidung gefällt. Wir geben Nichts!

Das hört sich zunächst sehr unbarmherzig und kalt an, wir würden Dir aber gerne unseren reiflich überlegten und immer wieder hinterfragten Entschluss darlegen. Schließlich sprechen auf den ersten Blick viele Gründe dafür, etwas zu geben:
  • Man kann dem Kind direkt, schnell und unkompliziert helfen, denn es hat Hunger oder andere dringende Bedürfnisse. Sonst würde es ja nicht betteln.

  • Es ist sehr wenig Geld für mich, aber das Wenige sichert problemlos das Überleben für die nächsten Tage.

  • Es ist ein Akt der Nächstenliebe jemandem zu helfen.

  • Der Junge oder das Mädchen guckt Dich so sehnsuchtsvoll an und schluchzt dabei dieses herzzerreißende „Pleeeeaaase…“. Wer kann da schon widerstehen?


Geld als direkte Gabe kann zunächst einmal die Not lindern, wenn auch nur kurzfristig. Aber ist die Not der Kinder wirklich akut, haben sie wirklich so großen Hunger? Keines der Kinder, die wir bisher auf unserer Reise gesehen haben, wirkt derartig geschwächt. Das Geld könnte tatsächlich bis zum Ende der Woche reichen, aber welche(r) Sechsjährige denkt schon an die nächsten Tage? Helfen ist immer gut, die Frage ist nur: Hilft man wirklich?

Aber helfen wir, indem wir nicht helfen? Dies hört sich zuerst einmal widersinnig an, aber wir haben lange und häufig überlegt, was das Richtige ist. Es gibt tatsächlich viele Gründe für den Verzicht auf eine direkte Gabe an die Bedürftigen.

Häufig sehen wir Kinder, die Süßigkeiten essen oder verschwenderisch Essen wegwerfen, nur um dann direkt zu uns zu kommen, und die niedliche, steinerweichende Bettelshow abzuziehen: Ein etwa siebenjähriges Mädchen nur mit einem schmutzigen, zerschlissenen T-Shirt und Höschen bekleidet beobachten wir in Phnom Penh. Etwa drei Meter von uns beisst sie ein Mal von einer Banane ab, den Rest wirft sie auf die Straße und tritt drauf. Sie kommt zu uns, setzt ihr gequältes Gesicht auf, gestikuliert „Hunger“ und streckt uns die offene Hand entgegen: „One Dollar?“ Dass wir ihr Verhalten sehen konnten und ihr das auch vorhalten, stört sie nicht im geringsten.

Bettel-Gang in Angkor Wat

Wir beobachten, wie ein Kind Geld bekommt. Im Handumdrehen wird die Dame von sämtlichen Kindern belagert, es werden immer mehr und immer dreistere Bettelkinder, die „One Dollar!“ kreischend und grabschend zu ihr vordringen. Die Dame flüchtet hilflos und sichtlich verstört in den Touristenbus...
In Kambodscha werden wir immer und überall ausgesprochen hartnäckig und lästig angebettelt. Selbst die Ruinen von Angkor Wat lassen sich nicht mehr ungestört betrachten, ohne den Singsang der teils dreijährigen, kleinen Zwerge durch die Mauern hallen zu hören: „One Dooollaaaar! One Dooollaaaar!“

Das erbettelte Geld wird manchmal leider nicht für Essen ausgegeben, sondern direkt in Drogen investiert. Mehr als einmal sehen wir völlig zugedröhnte Kinder mit Beuteln voller Klebstoff schnüffelnd durch die Straßen wanken…
Und wenn es nicht für Drogen verwendet wird, muss es dem großen Bruder, den Eltern oder wem auch immer abgeliefert werden. Die wenigsten Kinder gehen aus Eigenmotivation betteln. Meist sind die Eltern der Antrieb für diesen Familien-Nebenerwerb, manchmal auch organisierte Bettelbanden. In beiden Fällen kommt der „Verdienst“ dem Kind nicht zu Gute.

Langfristig wichtig für die Kinder ist neben dem nackten Überleben die Schaffung einer Perspektive für die Zukunft. Hierfür ist Bildung der wichtigste Schlüssel. Doch solange das Kind bettelt, geht es nicht zur Schule. Entgegen der weitverbreiteten Meinung in Europa ist zumindest eine gewisse grundlegende Schulbildung in Südostasien für beinahe alle Kinder zugänglich. Wenn nicht etwas Wichtigeres auf der Tagesordnung steht, wie zum Beispiel eine Kuh zu hüten. Bettelkinder trifft man jedoch den ganzen Tag an. Die Gabe von Geld motiviert das Kind auch während der Schulzeiten auf der Straße zu sein und es suggeriert dem Kind, dass es problemlos Geld verdienen kann, auch ohne Bildung und Arbeit. Die Abhängigkeit von der Bettelei ist vorprogrammiert. Später ist es jedoch nicht mehr so niedlich und diese Einnahmequelle versiegt. Die Alternativen sind häufig entwürdigend oder illegal.

Bettelkind kommt angerannt

Es fällt uns auch nach 10 Monaten immer noch schwer, den süßen Bälgern nichts zu geben. Diese kleinen Bettelprofis erweichen immer wieder unser Herz mit dem ersten Blick aus großen, traurigen Augen. Aber wir wissen, dass wir ihnen nichts Gutes tun, wenn wir nachgeben.
Unsere Alternative ist die Förderung konkreter Projekte. Wir essen in Lehrrestaurants, in denen Straßen- oder ehemaligen Bettelkindern eine Ausbildung und Arbeit gegeben wird, kaufen in den Förderwerkstätten ein oder spenden auch mal, wenn wir die Macher des Projektes kennenlernen und von der Arbeit überzeugt sind.

Wie siehst Du das? Gibst Du gern und viel oder bist Du auch eher zurückhaltend? Glaubst Du, wir liegen richtig mit unserer Einschätzung oder machen wir einen Denkfehler? Wir freuen uns auf Deinen Kommentar oder eine Nachricht mit Deinen Ideen und Sichtweisen.




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